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Normalerweise nimmt man ja als westlicher Bürger die Türkei eher als ewigen Beitragskandidaten für die EU wahr. Das ist so wie ein Koitus Interrupts. Man versucht es immer wieder, schmeisst sich kiloweise diplomatisches Viagra rein, aber am Ende reicht es doch nicht, um schwanger zu werden und sich mit der EU zu verheiraten.

Dann sind da noch die Dönerbuden, von denen man irrtümlich glaubt, sie vermitteln einen gewissen türkischen Flair. Natürlich gibt es ja noch all die „all inklusive „Angebote in die Türkei, um alles kennenzulernen und dort zu erleben, nur nicht Land und Leute. Vor allem weiss man nie, ob man so zurück kommt, wie man hingeflogen ist. Bombenstimmungen haben halt ihren Preis.

All das jedoch wurde in den Hintergrund gedrängt, dank dem Ministerpräsidenten Erdogan. Der türkische Napoleon hat sich aufgemacht und über Jan Böhmermann echauffiert, dass dieser Vorgang an sich schon eine Parodie ist. Ein Politiker, der sich über Satire aufregt und als "ein "schweres Verbrechen gegen die Menschlichkeit" bezeichnen lässt, während er in irgendwelchen Kellern Menschen foltert, die Pressefreiheit einschränkt und Kurden bombadiert, dann politischen Einfluss nimmt, um seine Empörung zu unterstreichen, da ist zumindest mental einiges nicht in Ordnung. Von den anderen negativen Randerscheinungen die sich da im Kopf abspielen gar nicht zu reden.

Gut - Erdogan ist ja als waschechter Demokrat bekannt, der halt die dazugehörigen Regeln in seinem Land etwas grosszügig auslegt. Jetzt muss man ja ganz klar sagen, dass er einfach auch mit Meinungsfreiheit nicht besonders vertraut ist und er jedes mal einen Tinnitus bei dem Wort Demokratie bekommt. Wobei, er selber sieht sich ja als Nachfolger von allem was vor ihm war. Als echten Demokraten, der allen sagt, wo und wie es langzugehen hat.

Jan Böhmermann hat ganze Arbeit mit seinen Beiträgen geleistet. Er hat mehr politische Aufklärungsarbeit zustande gebracht als viele Enthüllungsjournalisten, denn die Reaktionen auf seine Beiträge waren verblüffend. Der türkische Napoleon konnte aber leider keine Bomben oder irgend jemanden einfach in den Kerker werfen, um ihn mit Folter zu beglücken.

So blieb nur der Biss vor Wut in den Teppich irgend eines Zimmers - oder vielleicht aller - seines Palastes. Dann versuchte er es auf politischen Wege. Da er ja ein verbündeter der NATO ist, das zu sein bedarf ja bekanntlich keiner besonderen Qualifikation, denn sowohl Europa, als auch die NATO legen Menschenrechte grundsätzlich sehr grosszügig aus, wenn es um irgend welche politischen oder militärischen Interessen geht. Bei Erdogan spielen Menschenrechte gar keine Rolle, von daher erfüllt er die Aufnahme Kriterien. 

Überhaupt müssen sich die modernen Politiker, Diktatoren etc. in ihrer Funktion als "Adolf light" Versionen generell keine grossen Sorgen machen, selbst wenn man sie erwischt. Westliche Staatsführer lassen sich gerne mit ihnen ablichten oder schütteln ihre Hände - kein Problem. Ausser sie werden gestürzt oder sonstwie entsorgt, dann will ihm niemand die Hand geschüttelt haben.

Man bestellt diesmal den deutschen Botschafter in der Türkei ein, um da etwas gerade rücken zu lassen, was man weder rücken kann, noch muss. Das ist so, als ob man einem einen ausgekugelten Arm, der nicht ausgekugelt ist, wieder einkugelt. Die Lächerlichkeit der Diplomatie fand dann ihren Höhepunkt, als Angela Merkel, die ja bekanntlich nichts anders zu tun hat, in diese politische Farce einbezogen wurde, oder noch schlimmer sich selber einbezogen hat. Generell fragt man sich ja auch bei ihr, ob es überhaupt etwas gibt, was sie richtig macht, oder wo sie Profil zeigen könnte - aber da ist nichts. Staatsmänner mutieren zu Staatsversagern. Das konnte nicht klappen, wenn deutsche Demokratie, auf türkische Demok...hüstel na irgend etwas mit ...kratie trifft.

Zumindest sind jetzt alle irgendwie politisch beschäftigt und von der Flüchtlinkskrise abgelenkt, Böhmermann sei dank.

Dass Erdogan überhaupt Zeit hat, sich deutsches Fernsehen anzuschauen, sollte jeden nachdenklich stimmen. Vor allem, wenn er bei so etwas schon so heftig reagiert, was geschieht dann erst, wenn er die Hitparade oder gute Zeiten schlechte Zeiten anschaut? Dann kündigt er die NATO Mitgliedschaft und marschiert in Bayern ein? Wenn das so weitergeht, sollte die türkische Regierung den deutschen Botschafter anteilig nach Kilometergeld bezahlen - für das zukünftige Einbestellen. 

PS: Wie hat doch Erika dazu in ihrem Kommentar gefragt: Zahlt Erdogan überhaupt GEZ? 

 

Gesellschaft

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