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Deutschland 2015

Liebe Wutbürger

Neulich, als ich Angela Merkel und mein Frank-Walter (Aussenminister) auf einer Parkbank gesessen sind, haben wir darüber geredet und waren uns einig, wie gut es unseren Untertanen, äh Mitbürgern, hier in Deutschland doch geht, im Vergleich zu den Menschen, die in Guantánamo, oder Nordkorea leben. Bei uns können sich die Menschen frei bewegen und sich alles leisten, ausser denen, die das nicht können und dennoch hat man scheinbar nichts Besseres zu tun, als sich über uns Politiker und den Wohlstand, den wir für Sie geschaffen haben, zu beschweren.

Schlimmer noch, einige meiner leibeigenen Untertanen – äh Steuerzahler, nein, ich meinte Bundesbürger – fangen jetzt an sich teilweise zu formieren und Stimmung gegen uns Politiker zu machen. Diese deutschen Proletarier, rechtsradikalen Mittelständler, Hartz-IV-Empfänger und Co., die gescheiterten selbständigen Männer und Frauen mit und ohne Kinder, unmündigen Erwachsenen auf unseren Strassen, im Internetz oder sonst wo, die jetzt meinen einen arabischen Frühling auf deutschem Boden anzetteln zu müssen, sollten in ihre Heimat zurückkehren, oder von wo sie sonst herkommen.

Scheinbar sind sie alle der irrigen Ansicht, dass sie gegen den Strom schwimmen müssten, aber stattdessen werden sie meine volle Gleichgültigkeit und Ignoranz zu spüren bekommen. Wir Politiker werden sie auch weiterhin in einem Redeschwall ersticken und in die Kanalisation zurücktreiben, um denjenigen Menschen im unseren Land Raum zu verschaffen, die sich von uns auch weiterhin nur allzu gern entmündigen – nein, ich meinte manipulieren – hüstel … (ver)führen lassen. Dieser ungerechtfertigte Aufschrei nach mehr Demokratie ist ja der absolute Gipfel!

Als Politiker reisst man sich tagtäglich für die Menschen seines Landes die Beine aus – und jetzt das! Wissen die Menschen auf der Strasse überhaupt, was es bedeutet, das asketische Leben eines Politikers auf sich zu nehmen und nur zu schauen, das es uns selbst immer am besten geht, während sich die Menschen unseres Landes hinten anstellen müssen, oder unten, oder sonst wo …?
All diesen Querulanten und revolutionären Kräften sei gesagt: Lachse schwimmen immer stromaufwärts. Deswegen gibt es auch für uns in Deutschland immer nur eine Richtung, und die heisst: Dort wo Angela ist, da ist stromaufwärts! Sollte ich einmal doch hinten, oben oder unten, oder sonst wo sein, dann ist da ebenfalls stromaufwärts. Wichtig ist nur, den Anschluss an mich nicht zu verlieren, sonst kann ich ihnen auch nicht mehr helfen. Wer nicht meine Partei wählt und nicht fähig ist, so zu denken wie ich und meint er müsse eine neue oder andere Richtung einschlagen, der wird unser Land unweigerlich in die Steinzeit katapultieren.

Dieser Unfug von direkter Demokratie, Volksentscheidungen und mehr Mitspracherecht für Bürger: Wie verzweifelt müssen Menschen mit solch wirren Ideen im Kopf eigentlich sein? Da ist der Weg in eine geschlossene Anstalt nicht mehr weit! Man kann doch niemanden mit gesundem Menschenverstand einfach so mehr Mitspracherecht geben, schon gar nicht den Menschen, die auch noch dafür demonstrieren oder sich sonst wie stark machen, wo kommen wir denn da hin? Gestern noch haben wir Politiker die Demokratie am Hindukusch verteidigt, heute die in Afrika und morgen, wenn notwendig, die auf dem Mond. Wir bringen Opfer für unser Land und lassen unsere Soldaten dafür sterben, zählt denn das gar nichts? In Deutschland können wir es uns nicht leisten, eine neue russische Revolution auszurufen, das schadet nur unserer Exportwirtschaft, und wenn irgendjemand glaubt, er könne die Interessen des Volkes besser vertreten als seine Angela, dem darf ich versichern – es gibt niemanden!

Der SPD habe ich gerade dadurch einen Tranquilizer verabreicht, indem ich sie die grosse Koalitionssuppe auslöffeln lasse, da sind sie gut beschäftigt und ich kann mich auf das Regieren konzentrieren. Die FDP hat sich erfolgreich selbst abgeschafft, und die Grünen nimmt man auch nur noch auf ihren selbstinszenierten Parteitagen wahr. Der Horst von der CSU, der krönt sich wöchentlich selbst, so dass er und seine Kumpels keinen Unfug mehr anstellen können. Dann wäre da noch die AFD, mein Güte, ich weiss ja noch nicht einmal wer das sein soll, und von der Links-Partei mit der Giesskanne – äh, ich meinte Gysi – ganz zu schweigen.

Als ihre deutsche Zarin darf ich ihnen versichern, dass es viele versucht haben, aber alle an mir gescheitert sind und auch in Zukunft scheitern werden. Diese Art des Demonstrierens und des Wiederstandes – wie wir sie in diesen Tagen erleben – wo einfach auf die Strasse gegangen, ein Verein gegründet, neue Parteien gebildet und Facebook-Profile erstellt werden etc., ist unpatriotisch, unmoralisch und undeutsch. Das war es schon immer und wird es auch in Zukunft bleiben. Eine Neuorientierung begrüssen und unterstützen wir, aber sie muss von uns Politikern ausgehen! Der Bürger sollte sich auf wichtigere Aufgaben konzentrieren, Steuern zahlen und sich auspressen lassen – äh, ich meinte natürlich in den Urlaub fahren und sich einmal etwas gönnen. Vor allem wenn kein Politiker aus dem Ortsverein oder kein Gewerkschaftsvertreter mitmarschiert und sich nicht an solchen Veranstaltungen beteiligt, damit auch ja alles halbwegs kontrolliert werden kann und wenigstens einer von den Teilnehmern weiss, worum es geht, dann ist das Chaos vorprogrammiert.

Man kann doch nicht einfach einen willkürlich zusammengewürfelten Haufen Menschen, die sich zusammenfinden, unsere freiheitlich demokratische Diktatur – hüstel … ich meinte natürlich Demokratie – angreifen lassen. Stellen Sie sich einmal vor wie das sowohl mich, als auch meine politischen Genossen aller Parteien irritiert und schockiert hat! Bisher sind wir Politiker doch davon ausgegangenen, das alle Menschen in unserem Lande zufrieden und glücklich sind, und jetzt das!

Dass die Bürger unseres Landes scheinbar von uns Politiker erwarten, wir müssten uns um ihre Belange kümmern – wo kommen wir da hin? Wir haben schon genug mit Grossbanken, der Industrie und unserer Kriegsführung usw. zu tun, da können wir doch nicht auch noch den Menschen hier in Deutschland die notwendige Aufmerksamkeit widmen. Schauen Sie einmal, was wir in der Ukraine Grossartiges geleistet haben, mit tausenden toten Zivilisten, dank Ihrer Angela. Diesen Konflikt anzustacheln und von mir höchstpersönlich am Lodern zu halten braucht Kraft, Zeit und Ausdauer.

Dennoch, auch wir Politiker in Berlin sind nur Menschen und fühlen uns momentan wie Fische an Land, die verzweifelt nach Luft schnappen. Diesem ganzen Demokratiegewürge – hüstel … ich meinte Demokratisierungs-Spinnerei, äh …, ich meinte dem Demokratisierung-Wahn – nach mehr Mitspracherecht und direkter Demokratie – was das überhaupt sein soll, haben ich und meine politischen Kollegen bis heute nicht verstanden –, dem muss Einhalt geboten werden. Diesen mentalen Brandstiftern mit ihren querulierenden Demokratie-Gedanken würden wir Politiker am liebsten jene Bullterrier von Bürgern und Parteien, Presse usw. auf den Hals hetzen, welche jedes Demokratiestreben nur allzu gerne mit einem Rechtsruck und der guten alten Deutschen braunen Suppe vermengen und vergleichen. Wie in der Ukraine stacheln wir hier in Deutschland das eigene Volk gegeneinander auf, das mindert den Hunger auf mehr Demokratie.

So demonstriert am Ende jeder gegen jeden und alle glauben im Recht zu sein, wenn sie so schimpfend aufeinander losgehen und jede Seite für sich das Recht in Anspruch nimmt, Jesus persönlich zu verkörpern. Am Ende haben wir Politiker alle gegeneinander ausgetrickst und sind wieder glücklich und zufrieden, weil sich nichts geändert hat.
An dieser Vorgehensweise, das Volk gegeneinander auszuspielen, werden wir auch weiterhin festhalten, wie ein Pitbull an einem Oberschenkel – äh, ich meinte am Knochen. Diesen grunddeutschen Beissreflex aus der Zeit nach 1945, den man allen Demokratie-Querulanten freundschaftlich entgegenbringt, gilt es auszunutzen und zu fördern um jeglichen Wandel in diesem Land aufzuhalten und zu blockieren. Der Deutsche Bürger muss vor der grundlegenden Fehlentscheidung einer eigenen Meinung bewahrt und geschützt werden. Danken Sie mir nicht, dafür sind wir Politiker ja da. Lassen Sie sich nicht von den Demokratie-Aktivisten der ersten Stunde manipulieren, die wollen etwas ganz anderes – was auch immer das sein mag! Sie stehen für etwas, von dem ich mich selbst höchstpersönlich überzeugt habe und daher nicht weiss, was es eigentlich ist.

Mehr Demokratie bedeutet für unser Land unweigerlich einen Rechtsruck – und der kann doch nicht gewollt sein! Es ist doch nur noch eine Zeitfrage, bis diese sogenannten Demokratie-Mitläufer die ersten Voodoo-Puppen mit Bärten oder intellektuelles Gedankengut wie z.B. die Bildzeitung, verbrennen werden. Mein Justizminister, der Heiko, hat mir sogar berichtet, das einige dieser Demokratie-Jünger Exorzismus betreiben, um den Führer wiederauferstehen zu lassen und dass man mit der Kirche in Rom in Kontakt steht, um den Namen „Demokratie“ heiligsprechen zu lassen. Mir ist sogar zu Ohren gekommen, dass dieses Demokratie-Gewürge beabsichtigt, die Bezeichnung „Mutter Theresa für mehr Demokratie“ in ihr Programm einzubinden.
Wenn Sie so weitermachen, ist es doch nicht mehr weit weg, bis Demokratie-Mitarbeiter in Zivil mit Transparenten und Plakaten durch die Strassen marschieren werden. Noch nie war Deutschland einem erneuten Überfall auf Polen so nahe, wie in den Tagen von Mehr-Demokratie.

Um das wirkliche Ausmass der Ereignisse zu erkennen, habe ich neulich im Fernsehen angesehen, wie es aktuell vor Ort zugeht. Da haben sich Teilnehmer von Demonstrationen als harmlose Menschen wie du und ich ausgegeben und getarnt. Als selbstständige Unternehmer, freundliche Familienväter und Mütter, Menschen mit Sorgen und Ängsten usw., die es ja allesamt bei uns so gar nicht geben kann, und die um ihr Land besorgt sind – lächerlich!

Soweit ist es also schon gekommen, dass sich die Demokratisierungs-Teilnehmer als Gesellschaftsdurchschnitt bezeichnen und ausgeben! Seitdem ist mir klar geworden, dass man bei diesen Veranstaltungen vor nichts zurückschreckt und dass denen alles zuzutrauen ist. Im übrigen – noch nie gab es einen Politiker in Deutschland, der sich die Ängste der Menschen so zu Herzen genommen hat wie ich, wenn es denn welche geben würde.

Überhaupt, stellen Sie sich einmal vor, man würde die Stunden des Herumtrödelns bei Demonstrationen sinnvoll einsetzen – was man da an Aufbauhilfe in Afghanistan leisten könnte!

Seien Sie doch ehrlich zu sich selbst, wer wünscht sich schon eine direkte Demokratie wie in der Schweiz, bei der das Volk entscheidet wo es langgeht, und wo der Politiker ein Angestellter des Volkes ist. Nur weil unsere Nachbarn damit gut fahren, und es dort funktioniert kann man doch nicht erwarten, dass es bei uns klappt. Das ist undeutsch und würde jeden Bürger nur überfordern.

Längst lasse ich die Bürger unseres Landes an allem teilhaben, und zwar in einer Form, die individuell und persönlich auf jeden abgestimmt ist – in Form von Steuern und möglichst keinem Mitspracherecht, wodurch Sie mehr Zeit für das Privatleben haben, in einer Funktion als taubstummer Mitbürger, dem man die Hände auf den Rücken gebunden hat.
Noch mehr Demokratie ist doch gar nicht möglich!

Ihre Angela

© Günters Neurosen
Gesellschaft

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