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Liebes Tagebuch

Es wird Dir und Deinen Kollegen ja nicht verborgen geblieben sein, dass sich Eure Eigentümer vielfach auch Haustiere halten. Egal ob Wellensittich oder Kaninchen, das sind ja noch die harmlosesten unter ihnen. Hast Du gewusst, dass man sich sogar Ratten und Schlangen halten kann? Krokodile, Echsen und wer weiss was für Lebensformen, die in unseren Breitengraden und einem Haushalt rein gar nichts zu suchen haben? Ja da hast Du recht, der Mensch hält sich gerne so ziemlich alles, Hauptsache er kann es füttern, liebkosen, und es wirkt exotisch und löst wer weiss was für Grundbedürfnisse in ihm aus. 

Ehrlich? Du findest das mit den Hunden und Katzen auch häufig sehr bizarr? Natürlich, da hast Du vollkommen recht. Man muss schon unterscheiden, wer sich warum diese Tiere hält, da sind wir scheinbar einer Meinung. Aber diese beiden Vierbeiner sind ja wahre Verführungskünstler, haben den Menschen ziemlich ausgetrickst, und es ihm angetan, das muss man ganz klar sagen. Abgesehen davon, haben Tiere eigentlich in der Wohnung/Haus rein gar nichts zu suchen, alleine wegen der ganzen Übertragung von wer weiss was; die tragen ja Keime und Bakterien an sich herum, da läuft jede Petrischale amok. Von Hygienisch kann man da schon lange nicht mehr reden. Sich freiwillig Krankheitskeime ins Haus zu holen und zu seinen besten Freunden machen. Natürlich müssen die eigenen vier Wände keinem Kreissaal ähneln, aber sie sich freiwillig mit wer weiss was für Ungeziefer und Überträgern von Krankheiten zu verseuchen, nur weil man ihnen den Titel Haustier gegeben hat, ist schon eine beachtliche Leistung.

Was soll das heissen, dass wir in meiner Jugend auch einen halben Zoo zu Hause hatten? Na hör mal, das war doch ganz etwas anderes … Also, darf ich jetzt anfangen oder hast Du noch etwas zu bemängeln? Du bist eine richtige Quengeltüte heute, furchtbar …

Wer hätte über die Jahrhunderte gedacht, dass sich vierbeinige Säugetiere mit Fell einmal zu den treusten und liebsten Begleitern des Menschen entwickeln würden? Mehr noch, vielfach haben sie es geschafft, den Partner auf zwei Beinen innerhalb einer Beziehung geradezu zu verdrängen oder ihn sogar ganz zu ersetzen. Es spielen sich tagtäglich zahlreiche diesbezügliche Tragödien in den Haushalten ab. Diese Vierbeiner haben es geschafft, sich ohne Probleme in einer Familie zu etablieren, um dort als selbstverständliche Mitglieder aufgenommen zu werden. Soviel evolutive Gerissenheit ist recht einmalig in der Natur. Normalerweise unterstellt man einem Delphin oder Schimpansen eine gewisse Intelligenz, aber was sich Hunde und Katzen da haben einfallen lassen, sucht seinesgleichen in der Tierwelt.

Der Mensch an sich wird ja immer als soziale Lebensform betitelt, der den anderen braucht, weil er sonst vereinsamt. Da wird es wohl vom wissenschaftlichen Standpunkt einige neue Abhandlungen geben, denn das dem nicht so ist, zeigen uns Hunde und Katzen, des Menschen beste Freunde. Je mehr es allerdings von uns menschlichen Ungetümen auf zwei Beinen gibt, mit all unserer Technologie, wie Computer, Handys, Facebook, Youtube und Co etc., von denen unsere jüngeren Genrationen so abhängig sind, wie Junkies von ihrem nächsten Schuss, um so grösser wird die soziale Ausgrenzung des einzelnen, vor allem hier in Europa. Wirkliche Freundschaften bedürfen halt eines gewissen persönlichen Kontaktes und den damit verbundenen Diskussionen, Konflikten, Lösungen etc.; alles andere ist eine Scheinwelt.

Was das mit Hunden und Katzen zu tun hat? Jaaa, meine Güte, irgendwie bist Du heute mit  der falschen Seite aufgestanden. Hat jemand vergessen, Dir gestern gute Nacht zu sagen?

Also zurück zu unserem Hund-/Katzenthema. Diese Vierbeiner können den Prozess der Ausgrenzung und Isolation erheblich beschleunigen, denn sie ersetzen vielfach die Notwendigkeit, sich mit seinen Mitmenschen auseinandersetzen zu müssen. Natürlich werden jetzt die Hundebesitzer sagen:"Wir haben viele neue Leute kennengelernt, ebenfalls mit Hunden. Was soll der ganze Ausgrenzungsquatsch?" Da stellt sich dann die Frage, mit wem von diesen Hundebesitzer-Kumpels trifft man sich denn regelmässig und baut eine wirklich tiefgründige freundschaftliche und zwischenmenschliche Beziehung auf? Vertraut ihnen seine Ängste und Sorgen usw. an? Baut also seine Sozialkomponenten wirklich aus? Sicherlich mag es das in Einzelfällen geben, aber gemessen an der Zahl der Vierbeiner, mit denen man unterwegs ist, scheint es eher ein geringer Prozentsatz zu sein.

Die ganze Liebe, Zuneigung usw. wird also in diese Symbiose hineingepresst; das ist schon fast tragisch. Weil ja Tiere generell keine Hinterlist oder Falschheit kennen und ihre Besitzer auch niemals belügen würden, stehen sie als Begleiter mit partnerähnlichem Charakter hoch im Kurs. Dabei wird gerne vergessen, dass auch wenn jede tierische Lebensform ihre eigene Persönlichkeit hat, in welcher Form auch immer, es sich deswegen noch lange nicht um einen Menschen handelt. Natürlich, für Kinder in einer Familie ist es das Grösste, so ein hechelndes vierbeiniges Energiebündel zu haben, mit dem man herumtoben kann.

Allerdings, mit einem Hund zu reden, seine Katze zu streicheln und seine Freude daran zu haben, ist halt nicht das gleiche, wie eine Diskussion mit einem Menschen zu führen. Sich die Fähigkeit anzueignen, auf einen Mitmenschen einzugehen und sich mit ihm auseinandersetzen zu müssen, das macht es doch aus, wenn wir von sozialen Kontakten reden. Dies wird leider oft vergessen, wenn Bello seinem Stöckchen hinterher hechelt oder Mieze vor Freude schnurrt. Letztendlich dient also so ein Hund oder eine Katze nur dem eigenen Wohlbefinden und fördert die Ausgrenzung zu seinen Mitmenschen, wenn man das Augenmass dafür verloren hat. Sinnvoll eingesetzt, als Begleiter für ältere Menschen oder Hilfsmittel, wie Blinden- oder Drogenhund etc., aber was macht so ein Vierbeiner in einer Handtasche, oder auf dem Sofa und im Bett? Vor allem all die Accessoires, wie Kleidungsstücke, Diamanten usw., die dann von ihnen getragen werden. Das nennt man glaube ich entartete oder ausgeartete Kunst. Eine ganze Verhätschelungsindustrie hat sich daraus entwickelt, die Lebensformen aus der Natur so erniedrigt und vermenschlicht, weil sie nicht mehr sein können, was sie sind, nämlich tierische Lebensformen. Es wird alles unternommen, um sie auf diese Art und Weise dem Menschen näherzubringen und in seinen Mittelpunkt zu zwingen.

Mal schauen, wann es Botox und Schönheitschirurgie für diese bemitleidenswerten Kreaturen geben wird, die von ihren Besitzern genötigt werden, etwas zu sein, was weder ihren Instinkten entspricht noch von der Natur jemals so vorgesehen war. So wird sich dann neben der Verhätschelungindustrie auch die Verstümmelungsindustrie für Vierbeiner weiter etablieren

Der Mensch hat völlig vergessen, wo der Platz seines treuen von ihm gehätschelt und verwöhnten Vierbeiners ist. Mit Sicherheit nicht in den eigenen vier Wänden, sondern draussen, auf der anderen Seite der Haustür. Hunde und Katzen haben es geschafft, dass sie von uns völlig vermenschlicht wurden und uns davon überzeugt, dass wir die Wohnung, das Bett, Wohnzimmer etc. mit ihnen teilen müssen. Bei vielen Familien sitzen sie sogar direkt mit am Tisch, halt unten, wo sie gleich gefüttert werden, während Muttis Mittagessen aufgetischt wird.

Eine völlige Fehlinterpretation hat sich ebenfalls bei den Frauchen und Herrchen eingeschlichen und etabliert. Ihre  Hunde und Katzen seien angeblich, aufgrund ihres Verhaltens, intelligent. Dabei wird die tierische  scheinbare Intelligenz völlig überbewertet und missverstanden. Tiere verfügen zwar, je nach Art und Gattung, über unterschiedliche Intelligenz-Niveaus, aber sie werden immer instinktmässig angetrieben und denken nicht wie ein Mensch mit Schlussfolgerungen und treffen nicht über das bewusste Nachdenken eine Entscheidung. Also während der zweibeinige Besitzer Freude daran hat, wenn er so die Futterdose öffnet, dass sich Bello hechelnd und schwanzwedelnd auf ihn zubewegt, oder Mieze schnurrend um die Beine streift, haben die nur einen Gedanken im Kopf: „Fressen!“ Dass sie den Gedanken haben. „Hey, Martin bewegt sich in die Küche, jetzt muss ich reagieren, damit es etwas zu fressen gibt“, dieser vermenschlichte Gedankengang ist definitiv nicht vorhanden. Genausowenig wie das herbeigewünschte Dankbarkeitsgefühl, was sie uns gegenüber immer wieder angeblich zeigen. Es handelt sich dabei um eine rein menschlich interpretierte Betrachtungsweise. Allerdings, das muss man ganz klar sagen, diese Vierbeiner haben uns da ganz schön aufs Glatteis geführt, dass wir ihnen solche Eigenschaften zuordnen.
Der Gipfel sind all die Sektierer und Esoteriker, die in einem Wauwau oder Miau plötzlich die sogenannte Seele oder Geistform und Reinkarnation eines Verwandten erkennen. An dieser verkorksten Theorie, die so fern von der Realität ist wie das eine Ende des Universums vom anderen, haben viele Esoteriker jahrzehntelang intensiv gearbeitet. Hut ab, vor dieser und all den vielen anderen realitätsfremden, pseudowissenschaftlichen Theorien und Verdummungskonzepten. Reinkarnation an sich steht gar nicht zur Diskussion, aber dass eine Seele, Geistform, beim Nächstenmal plötzlich in einen Stein oder ein Viech wandert, also da muss man schon ziemlich viel Hochprozentiges trinken oder sich etwas durch die Nase saugen, um auf so eine desolate, von jeglicher Realität entfernte Aussage und Gesetzmässigkeit zu kommen. Ein Mensch kann immer nur in einen Menschen Inkarnieren und eine Katze in eine Katze. Es gibt keine artübergreifende Reinkarnation. Jede Art und Gattung ist darauf geprägt, dass sie auch wieder in die Lebensform inkarniert, von der sie ursprünglich herkommt. Was wäre denn das für ein konfuses Universum, wenn wir uns mit solchen, von Menschenhand verstümmelten und je nach Bedarf und Meinung, Lust oder Laune angepassten Gesetzmässigkeiten durch das Leben bewegen müssten?

Ja, Du hast recht, das hat nichts mehr mit Hund und Katze zu tun. Jaaa, ich hab doch gesagt, es ist mit mir durchgegangen.

Wie auch immer; die Nähe zum Menschen und die Abhängigkeit, mit denen sie aus vielen Herrchen oder Frauchen geradezu Junkies gemacht haben, die ohne ihre Vierbeiner nicht mehr auskommen, hat bis zum heutigen Tag keinerlei strafrechtliche Konsequenzen. Da können wir von Glück reden, dass niemand auf die Idee gekommen ist, Bären oder Elche zu domestizieren, die aufgrund ihrer Grösse zu deutlich mehr Problemen in den Haushalten geführt hätten, zumal sie alles andere als stubenrein sind und sich nicht mit einfachem Dosenfutter begnügt hätten.
Eben waren unsere vierbeinigen Fellträger noch draussen, wo sie hingehörten, und mussten sich ihre Existenzberechtigung in einem harten Überlebenskampf verdienen; und einige Jahrtausende später bekommen sie ihr Futter aus der Dose oder einem Beutel, im Napf, bei gemütlicher Zimmertemperatur, während es draussen regnet oder schneit. Schon einmal so eine Dose Katzen- oder Hundefutter aufgemacht? Qualitativ teilweise so hochwertig, dass es nicht nur für den Menschen geniessbar ist, sondern auch jede Hungerkatastrophe dauerhaft hervorragend beenden könnte. Für Bello und Mietze gibt es oft nur das Beste, häufig sogar besser als das, was sich viele dieser Tierbesitzer selbst leisten können. Eher gibt es für die eigenen Kinder Zwieback und Hirse, als dass man seinem Vierbeiner nicht bestes Qualitätsfutter zukommen liesse.

Also, auch hier treiben diese beiden Gattungen einen Keil zwischen die Familienmitglieder, noch mehr Hinterhältigkeit ist kaum möglich.
Eine ganze Futterindustrie hat sich aufgemacht, von den besten Freunden des Menschen zu leben. Denen stehen Ressourcen für unsere Vierbeiner zur Verfügung, um ihnen ein Essen von höchster Qualität, quasi à la Carte zu ermöglichen, da würde jedes Hilfswerk und jede Suppenküche nur davon Träumen. Also, da reden wir nicht nur über Resteessen oder ein paar geraspelte Knochen mit Gele. Nein, Hund und Katze haben, auch wenn das gesetzlich noch nicht abgedeckt ist, ein Grundrecht auf eine gewisse Vielfalt bezüglich ihrer Futterbedürfnisse, bei der selbst Gourmet Küchen sich dranhalten müssten, um da mitzuhalten.

Auf der anderen Seite, wie bei den Menschen, gibt es natürlich auch das Billigfutter. Da wird genauso gepanscht wie beim Essen für den Menschen, und man weiss oftmals nicht, was eigentlich wirklich drin ist. Also da reden wir über Schlachtabfälle, zerkleinertes Fell, Knochen etc. und – wen wundert es – versetzt mit zahlreichen Produkten, wie z.B. Getreide, das alles andere als Artengerecht ist. Da kannst Du einen Müesliriegel draus machen und jeder Vegetarier hätte seine Freude daran, gäbe es nicht so viele Nebenerzeugnisse, die alles in eine einzige Matsche verwandeln. Oft denkt man sich, „Gut riecht es nicht so, wie es aussieht.“ Also, das hat ja die Nahrungsmittel- und Futtermittelindustrie hervorragend hinbekommen. Etwas so zu panschen, bei dem man nicht weiss, was wirklich drin ist, und so mit Aromastoffen etc. zu versetzen und zu verseuchen, dass man, obwohl es unter Umständen wie frisch Ausgewürgtes ausschaut, immer noch Appetit drauf hat, genial.

Aber zurück zu unseren Vierbeiner. Sie haben unsere Gesellschaft infiltriert, unterwandert und unsere menschliche Hilflosigkeit aufs übelste ausgenutzt. Jetzt ist einfach die Frage, wie wird ihr weiteres Vorgehen sein, was lassen sie sich noch alles in Zukunft einfallen? Mittlerweile führen ihre Herrchen und Frauchen ja sogar Gespräche mit ihnen, die im ersten Moment recht einseitig wirken, aber wer genauer hinschaut, erkennt die Verschlagenheit unserer pelzigen Freunde, sie verstehen genau, worum es geht. Noch lassen sich die Hunde unter den Vierbeinern mit einfachen Begriffen wie Sitz!, Komm!, Geh! usw. ein wenig hin und her schupsen, aber man merkt ganz genau, dass sich dies in naher Zukunft schnell ändern kann. Katzen hingegen gehorchen auf überhaupt kein Kommando, sondern machen, was sie wollen. Am Ende des Abends ist das Futter weg, ein schöner Haufen thront im Katzenklo, und weit und breit kein Wort des Dankes, sondern vielmehr liegt sie auf dem Sofa, um sich zu erholen oder verbringt den Rest des Tages wo auch immer. Die eigenen Kinder müssen sich abmelden oder anrufen von unterwegs, damit man weiss wo sie sind. Katzen jedoch haben sich den hemmungslosen Trieb angeeignet, zu kommen und zu gehen wie es ihnen beliebt.

Nicht nur das. Wer Freude an Katzen hat, die ihnen immer wieder so alibimässig Mäuse nach Hause bringen, um sich ihre Anwesenheitsberechtigung zu ergaunern, der übersieht nur allzugerne, was diese Garten-Terroristen noch alles anrichten. Sie zerstören die ganze Fauna des Gartens, ruinieren Vogelgelege, fressen und verletzen Eidechsen, Eichhörnchen usw. Die Liste an Zerstörungen ist unendlich, und ihre Ökobilanz ist verheerend. Aber sie haben es halt hervorragend verstanden, sich ihren Eigentümern so anzubiedern, dass diese ihnen völlig willfährig und schutzlos ausgeliefert sind und ihnen jegliche Freiheit lassen. Nicht zu vergessen die mittlerweile überzüchteten Rassen unter ihnen, mit denen man teilweise gar nichts mehr anfangen kann, oder die völlig überfordert sind, wenn man sie einmal vor die Haustür setzt. Dort wissen sie gar nicht so recht, was machen, denn alles, was nicht wie ein Sofa aussieht und den schützenden Hafen eines Wohnzimmers vermittelt, ist Todeszone.
Auf der anderen Seite gibt es ja Katzenquäler, die lassen ihrem liebsten die Krallen entfernen, weil sie so gerne das Sofa zerfetzen oder die Tapete hochgehen. Ein tierquälender Katzenliebhaber, noch schizophrener geht es nicht.

Eine ähnliche Situation findet man auch vielfach bei den Hunden vor. Teilweise völlig überzüchtet und doch wiederum für bestimmte Bereiche als Hilfsmittel hervorragend geeignet. Wer auf die Idee gekommen ist, diese Lebensform zu domestizieren, so als Hirten-, Blinden- oder Drogenhund, Hut ab, ein gelungenes Konzept. Dann jedoch nahm die Ausartung ihren Lauf, als die Daniel Düsentriebs von Züchtern den mannigfaltigen Ideen ihres menschlichen Unverstandes freien Lauf liessen und Hunderassen züchteten, die kaum durch die Nase atmen können, jedoch über Gelenkschäden und genetische Missstände etc. dank Überzüchtung verfügen und die rein gar nichts mehr mit Natürlichkeit zu tun haben. Dem Menschen sei Dank, er bringt es fertig, den Hund oder die Katze nicht mehr als Lebensform, sondern als Kunstgegenstand, Zucht- und Manipulationsobjekt zu betrachten, deren Sinn es ist, den Menschen zu beglücken, egal zu welchem körperlichen Preis. An dieser Stelle ist noch gar nicht von all den Arztkosten usw. die Rede, welche dazu gebraucht werden, um all diese tierischen Lebensformen in Schuss zu halten, ein Industriezweig ohne Limit. Viele Länder beneiden uns um die medizinische Versorgung für Haustiere, weil sie solch eine noch nicht einmal für die eigenen Menschen haben.

Vor allem all diese speziellen körperlichen Eigenschaften: Wenn man das erste Mal einen Chow Chow mit seiner blauen Zunge sieht. Also ein Menschmit so einer blauen Zunge, der würde wegen Sauerstoffmangels sofort auf der Intensivstation landen. Ein Mops, der kaum genug Luft durch die eigene Nase ziehen kann, gut, dadurch kommt er auch nie in die Versuchung zu koksen, der braucht im Hochsommer eine Sauerstoffflasche, weil man ständig das Gefühl hat, er ersticke gleich, weil er mit dem Hecheln nicht mehr nachkommt. Schäferhunde, die so überzüchtet sind, wie Boxer etc. auch, dass sie frühzeitig Krebs bekommen oder Gelenkprobleme haben.
Und dann diese Promisternchen, also die auf zwei Beinen, vornehmlich weiblich, wie sie aus jedem ihrer kleinen Vierbeiner den besten Freund ihrer Handtasche machen und ihn zwischen Blitzlichtgewitter und Mikrophonen wie eine Trophäe auf ihren Armen halten, es lebe die öffentliche Tierquälerei. In der freien Natur hätten viele Raubtiere ihre wahre Freude an all den überzüchteten und manipulierten Vorspeisen.

Am schönsten aber an Hunden, vor allem in Bezug auf den Geruch, ist dieses Hecheln sobald es warm wird oder sich eine gewisse Nervosität bei den Vierbeinern anbahnt. Da hat der Hund dann immer diesen keimtragenden Lappen vor seinem Maul, mit dem er jetzt alles auf- und anschlabbert, was irgendwie essbar oder ableckwürdig für ihn aussieht, also eigentlich so ziemlich alles, was man auf einem Spaziergang antrifft. Dafür, und das muss man einem Hund neidlos lassen, kommt er mit seiner Zunge an so ziemlich jede Körperstelle und Öffnung heran, worum ihn ein jeder Fakir beneiden würde. Über alles gleitet diese Hundezunge drüber und belegt es mit einem sanften, hauchdünnen Film an ungeklärten Körperflüssigkeiten, in denen sich Keime befinden, die wahrscheinlich wissenschaftlich noch nicht einmal entdeckt wurden und nur darauf warten, einem Forscher zu seinem Nobelpreis zu verhelfen, während aufgeweckte Keime ständig mutieren und neue Freundschaften mit Menschen schliessen. Kaum ein Hund kann es erwarten, allen beteiligten Anwesenden mit diesem Zungenwaschlappen kurz über das Gesicht oder die Hände zu wischen. Am besten noch einen Schmatzer über den Jüngsten in der Familie im Kinderwagen, und das Wochenende kann kommen.

Manch einer dieser vierbeinigen Keimträger landet auch völlig selbstverständlich im Bett seines Herrchens oder Frauchens. Das ist so naturverbunden. Da legt man sich nichtsahnend ins Bett, fühlt sich wohl, geniesst den klaren Geruch der Nacht, und schon hat man das Gefühl, sich wenige Sekunden später auf einer Müllkippe zu befinden, weil sich unser vierbeiniger Freund mit Dosenfutter vollgestopft hat und es kaum erwarten kann, sein privates Umfeld an seiner Darmtätigkeit und seinen Blähungen teilhaben zu lassen.
Wer einmal einen Hund gehabt hat, der etwas grösser als eine Briefmarke ist und der sein Fressen so in sich reinschlingt, dass man beim Zuschauen schon Darmverstopfungen bekommt, kennt die damit verbundenen Folgeerscheinungen. Schnell verschwindet er in einer Ecke, um sein Nickerchen zu machen, wer kann es ihm verübeln. Dann geht es in die unkontrollierte Traumphase, in der einfach alles möglich ist. Ein leichtes Zucken, unterschwelliges Bellen und Pfotengeschüttel ist da noch recht amüsant, aber wehe, er hat sich entschlossen, mit Hilfe seiner Darmbakterien gewisse Bestandteile der Nahrung vorzeitig über die Luft auszusondern. Dieser Kompostiervorgang in einem Hund ist ja nicht nur von der Körpergrösse abhängig. Selbst Kleinkaliber bringen dort Duftnoten zustande, die man nicht für möglich hält und die einen ganzen Raum ausfüllen können und umstehenden Anwesenden das Gefühl geben, mitten in einer Jauchegrube zu stehen. Seinem Lebensgefährten würde man an dieser Stelle grösste Vorwürfe machen und ihn in seine Schranken verweisen, aber bei einem Hund können sich immer alle köstlich darüber amüsieren.

Eines ist ganz gewiss, so ein vierbeiniger Freund widerspricht selten, obwohl er dank seiner Persönlichkeit auch ein sehr ausgefeiltes Eigenleben entwickeln kann, das einem so manchmal zum Schmunzeln einlädt oder in die Verzweiflung treibt. Allerdings, zum Kennenlernen eines Partners ist ein Hund, der gehorcht, ein perfektes Instrument, um sich unverbindlich eine neue Kandidatin, einen neuen Kandidaten zu angeln. Aber wehe, er gehorcht nicht und man versucht trotzdem, weibliche Kandidatinnen auf sich aufmerksam zu machen, dann ist man schnell unten durch, und da nützt auch der PS-Bolide und die Eigentumswohnung um die Ecke nichts mehr.

Mal schauen, wann es up to date wird, sich ein Tagebuch um den Hals zu hängen oder mit ihm spazierenzugehen. Ob man damit auch neue Kontakte knüpfen könnte? Lassen sich Frauen davon beeindrucken? Männer, die Tagebuch schreiben, dazustehen und dies auch noch öffentlich kundtun … Das nenn ich Outing auf höchstem Niveau.

Romantisch können diese Vierbeiner auch sein. So ein Spaziergang am Morgen, mit Sonnenaufgang, wenn sich seine Silhouette so vor einem abzeichnet, wie er sich krümmt und die „Ich mach dann mal ein Häufchen“-Stellung einnimmt, das ist Romantik pur. Gerne schaut man in diesem Moment zu, wie es auf Nachbars Rasen, dem Fussgängerweg oder im Sandkasten des Kinderspielplatzes landet; noch mehr Naturverbundenheit ist kaum möglich. Vor allem, um diese Uhrzeit gibt es kaum jemanden, der sich beschwert, wenn der dampfende Haufen auf den Boden fällt und sich mit ihm vereint und nur darauf wartet, dass jemand in ihn hineintritt.
Ganz anders, wenn es taghell ist, da landet die Leine schnell in der Tasche, man starrt in die Luft oder sonst wohin, um ja nicht mit dem Vierbeiner in Verbindung gebracht zu werden, der gerade das Bein hebt, um die Bank, auf der vier Rentner sitzen, zu markieren, nachdem er sich neben dem Papierkorb von seinem Dosenfutter vom Vortag verabschiedet hat. Im übrigen gibt es ja die Hundesteuer. Freischein für jeden Hundehaufen, egal wann und wo. Das ist doch die Lizenz, die jeden Rasen, Kinderspielplatz, Garten usw. automatisch in eine öffentliche Hundetoilette umwandelt. Dass sich da Eltern aufregen, scheint doch etwas überzogen. Sobald Eltern Kindergeld zahlen und nicht mehr nur entgegennehmen, werden sie staunen, was sie im öffentlichen Bereich alles mit ihren Kindern anstellen dürfen, wenn es um gewisse Grundbedürfnisse geht.

Generell gilt, egal wo so ein frisch gestaltetes braunes Kunstwerk eines Hundes landet, wer da reintritt ist selbst schuld. Schliesslich unterscheidet er sich ja generell in seiner Konsistenz, Festigkeit, Farbe und dem Geruch deutlich von seinem Umfeld, noch mehr Aufmerksamkeit kann man gar nicht erzielen und auf die lauernde Unpässlichkeit aufmerksam machen. Wie man auf die Idee kommt, dass Hundebesitzer diesen Naturdünger entfernen sollten, so auf dem Bürgersteig oder im Sandkasten des Spielplatzes, bleibt ein Rätsel.

In der Schweiz nimmt man immer so eine Plastiktüte mit und liest dann den Hundehaufen auf. Ziemlich ekelhaft. Da stülpt man Plastik über ein Naturprodukt und entsorgt es im Müll, einfach lächerlich. Es gibt keinen einzigen Hundehaufen weit und breit, es sei denn, er ist fünf Sekunden alt und steht kurz davor, von der Hand des Hundebesitzers mit einer Plastiktüte aufgenommen zu werden. Überall Vierbeiner, aber keine Rückstände, fast so wie in einem Kreissaal.

Dein Günter
Gesellschaft

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