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Liebes Tagebuch

Neulich gab es im Fernsehen eine Dokumentation von einer Protagonistin, die andere Frauen über den weiblichen Körper und dessen sexuelle Bedürfnisse – davon wissen ja viele Männer noch nicht einmal, dass solche Bedürfnisse überhaupt existieren – aufklärte.

Na, das kann ja heiter werden, war mein erster Gedanke. Wer könnte einer Frau ihre körperlichen Bedürfnisse besser erklären als ein Mann? Ein kurzes vertrauensvolles Gespräch bei einem Glas Bier in der Eckkneipe und die Sache ist erledigt. Warum eine Frau ihre Geschlechtsgenossinnen überhaupt aufklärt, schien ziemlich unnötig, schliesslich übernehmen ja die Männer das Wesentliche, um ihren Frauen dabei zu helfen, sich in der Welt des Mannes und seiner Bedürfnisse zurecht zu finden, und das sollte doch eigentlich genug des Guten sein.

Kein Mann braucht solch eine Lehrstunde, ihm sind die grundlegenden Funktionen spätestens kurz vor seiner Entbindung schon klar. Ganz anders schien es bei diesen Frauen zu sein, die jetzt lernen sollten, ihren Körper neu zu definieren und zu entdecken. Also, quasi Christoph Columbus am eigenen Körper. Wenn es wenigstens gleich zur Sache gegangen wäre, aber nein, alle behielten Ihre Klamotten an, und so wurde schnell klar, dass diese Sendung in einer Sackgasse enden würde.
Warum das spät abends ausgestrahlt wurde und nicht im Kinderprogramm, blieb mir zu jenem Zeitpunkt ein Rätsel. Dann ging es so richtig los. Nach wenigen Minuten wurden Zeichnungen und Photos von einer bestimmten weiblichen Körperregion gezeigt, die jedes Kinderprogramm in die Knie gezwungen hätte.

Schnell kam man auf das Kernthema zu sprechen, endlich, dachte ich so bei mir, jetzt geht es los, auch wenn alle immer noch stur ihre Kleider anbehielten, aber was sollte denn jetzt noch kommen, worüber nicht schon jeder Mann bestens Bescheid weiss? Wo war nur die verflixte Hotline, die es dem Zuschauer ermöglicht, vor allem den männlichen, sich an dieser Sendung live zu beteiligen?

Es ging um das weibliche Bermudadreieck, das alles verschlingende Etwas, dort, wo Männer sich gerne am liebsten aufhalten und austoben, wenn sie ihren Hormonen unkontrolliert freien Lauf lassen. Jene weibliche Körperregion, die nur allzugerne von ihren Besitzerinnen in irgendeine Hose gequetscht wird und bei der sich jeder Rock als der beste Freund männlicher Phantasien herausstellt.

Dieses Bermudadreieck also, für viele Männer ein Buch mit sieben Siegeln, auch wenn sie es nie zugeben würden, sollte in diesem Fernsehbeitrag eine ganz neue Bedeutung erhalten. Viele Männer sind ja immer noch der irrigen Ansicht, sie hätten die Bedürfnisse ihrer Frau im Griff und meinen dabei eigentlich ihre eigenen.
Frag mal einen Mann, was er glaubt, wie zufrieden seine Partnerin mit ihm im Bett ist. Er erteilt sich natürlich nur Bestnoten, denn weibliche Sexualität ist so einfach zu handhaben und schnell zu durchschauen, als ob man sich eine Butterbrot schmiert. Frag mal seine Partnerin, wie es ihr gefallen hat, noch nie war er dem Suizid näher.

Frauen zu verstehen ist wie die Irrfahrt des Odysseus, und da reden wir noch nicht einmal von sexuellen Aspekten. Männer zu verstehen ist viel einfacher, aber sie treiben mit ihrer Denk- und Handlungsweise Frauen nicht weniger in den Wahnsinn. Und eines darf man jedem versichern, der sich auf eine längerfristige Beziehung einlässt, die Kommunikation wird nicht besser oder verständlicher, aber die Toleranz nimmt zu, oder auch nicht.

Wie auch immer, zurück zur sexuellen Rundreise des weiblichen Körpers oder vielmehr einer bestimmten Körperregion. Nun, ein nach innen gestülptes Vergnügungsviertel, wer kommt schöpferisch nur auf die Idee so etwas zu konstruieren und zu gestalten? Also, das ist ja wieder typisch. Bei Männern liegt ja alles aussen, fein säuberlich, gut zu erkennen und immer bereit, sein bestes zu geben, und schnell erreichbar.

Ganz anders bei den Frauen. Alles versteckt, für manchen Mann fast unauffindbar und häufig schwer zu erkennen, wie es stimmungsmässig wirklich aussieht. Wenn aus ihrem Mund die Sinnlichkeit und Triebhaftigkeit herausgeschrien wird, heisst das noch lange nicht, dass es im unten liegenden Vergnügungsviertel genauso hoch hergeht. Ganz anders beim Mann, da weiss jede Frau sofort, woran sie ist, egal ob bei Tageslicht oder im dunkelsten Kerker, ein Griff von ihr und die Sache läuft zügig an.

Deswegen war dieser Beitrag im Fernsehen auch so interessant. Jedem Mann der meint, er wisse Bescheid und sei über den weiblichen Tempel der Lust im Bilde, vergesst es. So ein hochkomplexes Organ, da wurde schöpfungstechnisch mitgedacht, das gibt es wahrscheinlich nur einmal im Universum. Auf engstem Raum findet man anatomisch und rezeptorenmässig so ziemlich alles, was Mutter Natur an Möglichkeiten, Bedürfnissen und Abenteuerlust zu bieten hat. So ein kleiner Wirkungsbereich und doch so vielfältig und gewaltig bezüglich der Möglichkeiten, dass man nur noch staunen kann.

Ganze Weltreiche wurden mithilfe der weiblichen Lustorgane beeinflusst, demontiert, aufgebaut, niedergerungen und zu Grunde gerichtet. Was sagt uns das über seine historische Bedeutung aus?
So erfindungsreich und doch für denjenigen, der ihm mehr entlocken möchte, eine Fülle von Funktionen - wie ein Schweizer Taschenmesser - die nur schwer zu ergründen sind. Vor allem, es in Betrieb zu nehmen und ein Verständnis dafür zu entwickeln, das heisst noch lange nicht, dass es beim nächstemal genauso abläuft. Deswegen tun sich Männer auch so schwer damit, denn bei ihnen gibt es nur ja oder nein und fertig. Bei einer Frau und ihren weiblichen Reizen gibt es ja, nein, vielleicht, eventuell, Kopfschmerzen, morgen, nächste Woche, zu müde und tausend andere Gründe, warum sich das lang ersehnte Vorspiel schnell einmal zu einem Endspiel entwickeln kann.

Wie müssen Frauen mental geschaffen sein, dass sie ihr Reizüberflutungsorgan überhaupt in den Griff bekommen, und da ist von den eine Millionen erogenen Zonen noch nicht einmal die Rede. Weil Männer häufig nur eine limitierte und überschaubare Anzahl an erogenen Zonen haben, über die alles abgewickelt wird, sind sie auch immer am Staunen, dass bei einer Frau praktisch jeder Körpereich zu einer solchen Zone mutieren kann.

In das weibliche Gehirn laufen viel mehr elektromagnetische Impulse in jenen Momenten der Glückseligkeit, als es ein Mann in seinem gesamten Leben zustandebringen und verarbeiten könnte. Diese Komplexibilität macht aus einer Frau ein schöpferisches, universelles Unikat, und wir sollten dankbar sein, dass es wenigstens eine Lebensform auf diesem Planeten gibt, die mit solchen Fähigkeiten ausgestattet ist.

Nein, die Sendung war ein voller Erfolg, zumindest bei mir. Man kann nur hoffen, dass sie auch von anderen Männern gesehen wurde, denn mein Respekt vor dem weiblichen Geschlecht hat definitiv zugenommen. Wer über solch eine erogene Selbstverwirklichungszone verfügt und damit auch umgehen kann, der verdient Respekt.
Jeder Astronaut, der in einer Rakete mitfliegt oder ein Space-Shuttle steuert mit all seinen Schaltern,Knöpfen und Monitoren, hat keine Ahnung, wie unbedeutend er neben dem komplexen Gebilde eines weiblichen Körpers und der damit verbundenen weiblichen Sexualität wirkt.

Dein Günter
Gesellschaft

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