.
.
.

Liebes Tagebuch

Was gibt es Schöneres, als den vom Menschen selbst zelebrierten, durch falsche Denk- und Handlungsweise herbeigezwungenen, Schlankheits- und Schönheitswahn. Durch diese verkorkste Denkweise die eigenen Psyche so zu malträtieren, dass man bereit ist, seinen eigenen Körper für ein absurdes Idealbild und angebliche gesellschaftliche Massstäbe zu foltern und zu knechten, um völlig verdrehten und absonderlichen Wertmassstäben gerecht zu werden.
Nein, so ein richtiger Hungerhaken, so ein Magermodel auf zwei Beinen, das sich beim Duschen festbinden muss, um nicht durch den Sog des Abflusses in Mitleidenschaft gezogen zu werden, was kann es Schöneres geben!

Es gibt kein Idealgewicht für Menschen, die in jedem Gramm eine potenzielle Bedrohung oder in jeder Schönheitscreme und Botoxspritze den besten Freund des Menschen sehen. Manche scheinen ja förmlich in Botox zu baden, so zombiemässig sehen ihre Gesichter aus. Andere wiederum wurden so zurechtgeschnetzelt, dass man gar nicht mehr weiss, ist das Plastik oder Haut. Man erkennt kaum mehr den Menschen darunter.
Wer einmal Harald Glööckler gesehen hat, der weiss, was ich meine. Er scheint ja nicht nur in Botox zu baden, der trinkt das Zeug auch scheinbar noch, anders kann man sich solch ein Resultat nicht erklären. So ein paar Botoxeier zum Frühstück und eine Prise Botoxsalz auf jedes Essen bewirkt Wunder.

Dann diese vielen Pillen, Crèmes und sonstigen Hilfsmittel um seinem kranken Ego, gerecht zu werden und auf die Sprünge zu helfen. Eine ganze Verdummungsindustrie hat sich aufgemacht, Menschen optische Wertmassstäbe aufzuschwatzen und als erstrebenswert zu vermitteln, die sich aber auch nur allzu gerne darauf einlassen – da kann man nur noch staunen.
Dieser terrormässige Schönheitswahn mit seinen Versuchslabors und Chemiecocktails zum Einnehmen, Spritzen, Draufschmieren, und wer weiss was da vielleicht auch einmal intravenös auf uns zukommt? Einfach grossartig, was Menschen in weissen Kittel so zusammenpantschen können. Das wird dann auch noch als erstrebenswert proklamiert, als ob der menschliche Körper nicht mehr ohne auskommt, ja es geradezu braucht um überhaupt zu existieren.

An dem Tag, an dem uns Ausseridische besuchen, wird es drei Berufsgruppen geben, die zwar zu nichts taugen und so wichtig sind wie Hämorrhoiden, sich aber dennoch in den Vordergrund drängen werden.
Das sind die verschiedenen Religionsvertreter und unsere verkorksten Politiker, beide gemeinsam mit ihren Volksverdummungslehren. Als dritte Gruppe werden die Aussendienstler der Schönheitsindustrie, mit ihren Müllpräparaten zum Zuspachteln, um unsere neuen Freunde herumstolpern. Noch schlechter könnte eine erste Kontaktaufnahme gar nicht ablaufen, und ein Scheitern ist gewiss.

Es ist nur noch eine Zeitfrage bis sich diese Industrie auch auf den tierlieben Hundebesitzer, Goldfischeigentümer, Koyezüchter und Pferdehalter stürzen wird, damit dieser seinen liebsten Freund mit irgend einer Crème zuspachteln kann.
Jeder Spitzensportler würde wahrscheinlich bei der Einnahme und all dem Geschmiere auf der Haut durch die Dopingkontrolle fallen und lebenslang gesperrt werden. Aber als Privatperson, da gibt es einfach keine Grenzen und kein Halten mehr. Für das Überkleben und Überpantschen von Falten ist man sich einfach niemals zu schade.

Ob das die Kläranlagen überhaupt alles rausfiltern können, wenn sich diese Menschen dann duschen und ihre privaten und teuren Chemiecocktails mit der Allgemeinheit teilen, darf bezweifelt werden. Auch Ihre festen Hinterlassenschaften landen ja regelmässig in der Kläranlage, bereit, mit allen freundschaftlich geteilt zu werden oder wieder irgendwie, in welcher Form auch immer, im Grundwasser zu landen. Die Natur hat sicherlich ihre Freude daran und wird uns auf ewig dankbar sein.

Früher hat man Menschen mumifiziert, das braucht es heute dank der Schönheitsbranche nicht mehr, die diesbezüglichen Konsumenten haben alle kein Verfallsdatum, deswegen kann man sie auch in eine Vitrine stellen und bestaunen. Hätte Lenin damals schon die Schönheitsindustrie gehabt, man hätte sich viel Arbeit ersparen können.

Normalerweise sollte man ja froh sein, um einen halbwegs gesunden, funktionierenden und intakten Körper mit all seinen Hautzellen und Oberflächenstrukturen, die einem schöpferischen Kunstwerk gleichen. Ihn aber freiwillig so zu malträtieren und zu quälen, ihn mit pomadeähnlichen Substanzen, von denen keiner weiss, was wirklich drin ist, einzubalsamieren, das braucht schon eine gehörige Portion menschlichen Unverstandes. Vor allem seinen Körper so einzuseifen, gleitfähig und faltenfrei zu halten, wie ein Zäpfchen kurz vor seinem grössten Moment, das braucht nicht nur Geld, sondern auch Zeit, die man z.B. in der Altenpflege sinnvoller einsetzen könnte.

Jetzt hat sich dieser ganze Industriezweig noch weiter entwickelt, dank menschlichem Ideenwahnsinns. Da haben sich ja noch Metzger, Chirurgen, David Copperfield und Fleischbeschauer zusammengetan, sich als Schönheitschirurgen bezeichnet und mit Hammer und Meissel, Skalpell und Schablone und sonstigen Zaubertricks darum bemüht, aus jeder Pinocchio-Nase einen Rembrandt zu machen. Also, was da für Kunstwerke zustande kommen, einfach unglaublich.

Eine Persönlichkeit hat da aber wirklich den Oscar als menschliches Kunstwerk verdient. So quasi ein Schönheitschirugen-Junkie und ein Symbol dafür, wie man es definitiv nicht machen sollte. Michael Jackson.
Den musste man noch nicht einmal mehr einbalsamieren, der hat kein Verfallsdatum und kann ständig an der offenen Luft gehalten werden, so präpariert wie der schon zu Lebzeiten wurde. Sollte man einmal auf die Idee kommen, ihn einzuäschern, dann braucht es einen äusserst effektiven Filter, wie bei Müllverbrennungsanlagen, weil sonst alles drumherum kontaminiert wird.
Den kannst Du noch in hundert Jahren ausgraben und er wird aussehen, als sei er gestern verschieden. Da gehen noch nicht mal Maden dran, es sei denn, es sind japanische, die ihre Kamikaze-Tradition weiterleben lassen wollen.

Ganz klar, es gibt wirklich Unfälle, Notfälle etc., da kann man über die plastische Chirurgie froh sein und staunen, was sie vollbringt. Aber diese Silikonfetischistinnen mit ihrem Körbchengrössenwahn, die ihre Kilos Silikon reinpumpen, um auffälliger zu werden, das ist nur einfach tragisch und bemitleidenswert.
Gut, einen Vorteil haben sie, man weiss immer, was vorne und wenn man schwimmen geht, wo oben ist.

Dein Günter
Gesellschaft

Kommentar veröffentlichen

Author Name

Kontaktformular

Name

E-Mail *

Nachricht *

Powered by Blogger.