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Liebes Tagebuch

Immer wieder hört und liest man ja so von Techniken, Aufputschmitteln, Blutgepansche-Dingsbums, um sich und seinem Körper mehr Kraft, Ausdauer, Potenz – äh, nein, das war ja ein anderes Thema – und wer weiss was reinzuklopfen, dass man als Aussenstehender wahrscheinlich tod umfallen würde, nähme man diese anabolischen Giftcocktails als Normalbürger zu sich.

Vor allem in bestimmten Sportarten wie dem Fahrradrennsport, scheint das ja ein Dauerzustand zu sein, sich alles reinzupfeifen, was irgendwie in eine Vene oder sonstige Körperöffnungen und Körperstellen passt, egal ob flüssig, fest, gedämpft, zum Inhalieren, als Räucherstäbchen, als Zäpfchen, als Gebissreiniger oder in einem sonstigem Aggregatszustand, dass man wirklich nur noch staunen kann.

Mittlerweile mutieren diese Schluckspechte und menschlichen Sportboliden immer mehr zu Chemiecocktails auf zwei Beinen, die immer, wenn man ihnen auf die Finger schaut und sie erwischt, dann alles negieren, abstreiten und völlig überrascht und entsetzt tun, wenn man sie bei ihrem bunten Treiben überführt hat.

Also, jeder von uns sollte ja froh sein, über einen gesunden Körper zu verfügen, mit dem ja in einem halbwegs normalen Zustand eine Menge toller Dinge anfangen kann, ohne ihn künstlich und dauerhaft unter Strom und in Hochleistung zu versetzen.
Ihn aber dann künstlich zu verseuchen für sein eigenes Ego, seinen Erfolg, Sieg, für Geld, Anerkennung, für einen Promimodus und wer weiss was diese mental verkorksten Zombie-Sportjunkies noch alles machen um ihre fragwürdigen Ziele zu erreichen, das ist schon bemitleidenswert. Die Ausartungen des Sports lassen grüssen.

Eigentlich kennt man das ja überwiegend von Politikern, dass sie immer lügen und betrügen und ihr eigenes Volk verdummsen, aber in bestimmten Sportarten scheint das ja auch mittlerweile normal und selbstverständlich geworden zu sein, wenn man seine Fans und Sponsoren ebenfalls über den Tisch zieht und somit den Vorbildcharakter in die Güllegrube schüttet.
Vor allem, wie sie immer alle empört und betroffen sind, wenn das unvermeidliche und die Wahrheit ans Licht kommen und sie dennoch alles negieren, als unwahr bezeichnen und als Lüge darstellen, nur weil man sie erwischt hat, einfach liebenswert.

Warum gibt man nicht einfach alle Mittel frei? Das wäre viel einfacher, dann können sich alle zudröhnen und zukoksen, sich Weichspüler & Co in ihre Venen pumpen, ohne sich entschuldigen zu müssen, bis ihre Körper gute Nacht sagen. Niemand muss mehr lügen, sondern jeder kann sagen jawohl, ich habe etwas zu mir genommen, um meinen Körper mit der Harmonie des Sportes abzugleichen.
Dann muss man das auch nicht mehr als Dopen bezeichnen, sondern z.B. als sportliche Therapiemassnahme. Das hört sich doch auch viel liebenswerter an und bekommt so eine völlig neue Sinnhaftigkeit. Was immer für ein Raunen durch unsere Gesellschaft geht bei dem Wort Doping, das zeigt doch schon die negative Bedeutung für eine positive Angelegenheit, den Sieg.

Wenn man diese Chemiebomben als Vitalisierungselement für den Sportbereich bezeichnen würde, dann ginge es allen Beteiligten sicherlich viel besser.
Vor allem diese Cocktailentwickler mit ihren Chemiebaukästen sind ja immer einen Schritt weiter in der Entwicklung eines neuen Körpercocktails, sodass die Prüfstellen oft gar nicht hinterherkommen. Ein Wettlauf also, den am Ende eigentlich niemand gewinnen kann, aber das weiss eben scheinbar keiner der Beteiligten.

Heute aber haben wir für alles eine Kommission und Prüfer, Ärzte und verschiedenste Techniken, die dem Übeltäter nachweisen können, dass er etwas genommen hat. Was für eine Arbeit und ein Aufwand und so zeit- und kostenintensiv; vor allem aber ist dieser Job definitiv undankbar. Fast so wie Schwiegermutter sein, immer allgegenwärtig und doch unerwünscht. Wer möchte einen Job haben, für den einem niemand auf die Schulter klopft und man ein anmerkendes Dankeschön oder das Bundesverdienstkreuz erhält? Überhaupt, wie wohl die Jobbeschreibung für jemanden in diesem ärztlichen Umfeld wohl aussieht?

„Mögen Sie gefixte Haferschleimsuppe oder Steroidknödeln mit gepanschter Blutwurst aus dem eigenen Körper? Sie lieben Latexhandschuhe und Spitzensportler in knappen Höschen und engen Anzügen in einem Hauch von nichts?
Dann freuen wir uns auf ihre Bewerbung. Wir haben ein freundliches Arbeitsumfeld im Sportbereich mit vielen bekannten Persönlichkeiten, von denen zwar niemand etwas mit ihnen zu tun haben möchte und keiner sie wirklich mag oder gemeinsam Weihnachten mit ihnen feiern würde.

Dafür kommen sie auch nie in die Verlegenheit Freundschaften schliessen zu müssen, weil ihre Kunden und Patienten sie am liebsten die Toilette runterspülen würden. Werden sie bei uns zu einem Jäger, Detektiv, Wahrheitsfinder und Aufklärer. Allerdings ohne Jagdschein und Waffe, aber mit Pipette und Reagenzglas. Ihre Patienten kommen aus aller Herren Länder und können es kaum erwarten ihnen die eigenen Blutprobe zu überreichen. Wir arbeiten so eng mit unseren Patienten zusammen, fast schon freundschaftlich, dass wir sie sogar auf die Toilette begleiten, damit sie ihnen die frische Urinsuppe übereichen dürfen.“

Nein, es sollte ein ganz klares JA für Doping geben, denn all die Vertuschungsaktionen der Schluckkönige, Spritzenspezialisten, ähem, früher hiessen die ja mal Sportler, und Lügengebilde kosten ja ein Vermögen und sind extrem zeitaufwendig, wofür?

Früher, da hat man ja noch zugegeben, wenn man Mist gebaut hat, und gut war es. Dann kam die Zeit, in der man sein falsches Verhalten negiert hat, und die Überführungsdiskussionen wurden länger und länger.
Aber heute, in unserem Computerzeitalter, da negiert man nicht nur, sondern lügt und betrügt, um sein Fehlverhalten zu kaschieren.
Wenn man im 21 Jahrhundert schuldig und überführt ist, dann wird diese Tatsache negiert. Das kann man wiederum, je nach Perspektive, auch als Fortschritt, wenn auch in die entgegengesetzte Richtung bezeichnen, weil alles scheinbar nur noch eine Frage der Formulierung ist.

Aus der Sicht eines Übeltäters wiederum ist es ein Schritt in die richtige Richtung, abhängig davon, wohin sein Blickwinkel schweift, und der ist ja meistens nach hinten, also in die Vergangenheit, weil er sich wünscht, man hätte ihn nie erwischt und er hätte nie damit angefangen.
Früher, als es noch Moral und Wertvorstellungen gab, da war alles viel einfacher und durchschaubarer. Aber heute, da wird ein Fehlverhalten oder eine Lüge mal schnell umformuliert und schon scheint man wieder auf der richtigen Seite zu stehen.

Die Wahrheit hat nichts mehr mit Ehrlichkeit zu tun, sondern ist eine Frage des Blickwinkels, der Definition und Formulierung.

Dein Günter
Gesellschaft

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