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Liebes Tagebuch

Etwas wird sich Männern wohl auch in den nächsten Jahrhunderten nicht erschliessen, geschweige denn, dass sie es überhaupt jemals begreifen könnten. Männer haben die Fähigkeit, für jede Verletzung oder körperliche Unannehmlichkeit, Erkältung usw. den Leidensweg Christi zu gehen, inklusive der persönlichen Kreuzigung, je nach Sachlage. Es gibt keine Lebensform auf unserem Planeten, die für sich genommen so viele Nahtoderfahrungen hatte, wie ein Mann und sei es nur, weil die Fernbedienung den Dienst versagte oder leichte Kopfschmerzen nach einer durchzechten Nacht die Ursache sind.

Frauen hingegen gebären bei gleichem Sachverhalt ein Kind, gehen kurz danach einkaufen, melden sich an einer Sprachschule an und überlegen sich ihre nächsten Schritte für die weitere Karriere. Ein Mann kann in einer solch brenzligen Situation, wie z.B. einer Erkältung, gar nicht mehr an seine Karriere denken, geschweige denn an die Zukunft. Vielmehr überlegt er sich schon, wen er zur Beerdigung einladen soll und was sein letzter Wunsch sein könnte.

Es gibt also nicht nur körperliche und biologische Unterschiede zwischen Mann und Frau. Aus wissenschaftlicher Sicht betrachtet hat man sogar den Eindruck, es handelt sich um zwei völlig unterschiedliche Spezies. Folgende Versuchsanordnung soll dazu als Beispiel dienen:
Ein Bild 80x60 cm soll an einem Samstagvormittag aufgehängt werden.

Er hat sich diesen Tag in seinen Terminkalender eingetragen, und es versteht sich von selbst, dass ein spontanes Aufhängen, z.B. an einem Abend unter der Woche, weder in Betracht noch in Frage kommt.

Jetzt gibt es mehrere Unterarten von Mann. Die einen gehen in die Garage oder in den Keller und holen ihren Handwerkskoffer etc., breiten alles aus, und man hat den Eindruck, auf einer Grossbaustelle zu sein. Sie sind so grossartig strukturiert, dass jedes Werkzeug seinen Platz hat und wehe, jemand hängt dort etwas anderes hin oder räumt etwas falsch ein; in diesem Fall bekommt man es mit Satan höchstpersönlich zu tun und jeder Fluchtversuch ist unmöglich.
Dieser Partnertyp - und man sollte es sich als Frau wohlweislich überlegen, ob man sich in dieser Partnerschaft nicht eher „lebenslänglich“ als „ein Leben lang“ aufgebrummt hat -, wartet bei dieser Herausforderung mit allem auf. Egal, was ein Baumarkt an Werkzeugen etc. hergibt, er verfügt über alles und es gibt keine Situation oder kein Anforderungsprofil handwerklich heimischer Baukunst, dem er sich nicht gewachsen fühlt.

Jahrmillionen logischer und vernunftorientierter Evolution, mühevoll Schritt für Schritt erarbeitet, haben dazu beigetragen, sich jeder nur erdenklichen Baumassnahme zu stellen. Selbst ein Schlagbohrer mit Dübel wird in diese Aufgabe mit eingeplant inklusive einer Wasserwaage und Leiter. Schliesslich lässt er sich nicht lumpen und will ihr demonstrieren, wer Herr im Hause ist.

Vor allem, und davon haben Frauen nun einmal keine Ahnung oder nur unzureichende Kenntnis, unterhalb des Putzes oder verteilt im Mauerwerk, könnte sich der natürliche Feind des Mannes befinden – eine Elektro- oder Wasserleitung. Der natürlichen Gegner, der nur darauf wartet, dass ein Nagel oder Dübel in ihm landet, um so seinen männlichen Gegner der Lächerlichkeit preiszugeben.
Jetzt fragt sich natürlich jede Frau, warum ihr Mann mit diesem Metalldetektor die ganze Wand grossflächig überprüft und es nicht bei der Nagelstelle von 2x2 cm belässt, um sich ein Bild über mögliche Problemzonen zu machen? Jahrmillionen lange Evolution benötigen halt ihre Zeit …

Vor Beginn der Arbeiten empfiehlt es sich unbedingt, und dies kann ich man jedem Mann nur wärmsten empfehlen, egal ob er verheiratet ist oder sich in einer lotterhaften Beziehung befindet, stets eine Verzichtserklärung oder eventuell eine notariell beglaubigte Urkunde bereitzuhalten, die seine aktuelle Lebensgefährtin vor Baubeginn unterschreiben muss, damit, sollte es zu einem ungewollten Kurzschluss oder Wasserrohrbruch kommen, dieses Missgeschick auch in der eigenen Familie bleibt und nicht zur Titelstory beim Nachbarn mutiert.

Eine andere Sorte Männer wiederum sucht sich ihr Werkzeug im ganzen Haus zusammen, flucht über sich und die vielen unterschiedlichen Plätze, an denen sie alles verteilt hat, stellt fest, wie gross ihre Wohnung oder ihr Haus ist und dringt in Regionen vor, die ihnen vorher völlig unbekannt waren, ausserdem erkundigt sie sich bei ihrer Partnerin, ob sie dieses oder jenes Werkzeug irgendwo gesehen habe. Das sind die spontanen Handwerker, da sie während ihrer Tätigkeit feststellen, was sie noch benötigen und so mehr auf der Suche nach dem notwendigen Arbeitsmaterial sind, als es Leonardo Da Vinci für seine Mona Lisa jemals gebraucht hatte.

In diesen beiden Fällen kann die Vorbereitungszeit zwischen 30 Minuten oder mehreren Tagen liegen, und er hat noch nicht einmal angefangen und ist soweit von einem brauchbaren Endergebnis entfernt, wie Christoph Kolumbus von Amerika bei seinem Reiseantritt.

Dann gibt es noch jene, häufig Ärzte, Bänker oder sonstige gutverdienende Mitglieder unserer Gesellschaft usw., die lieber delegieren und etwaige Arbeiten gerne weiterreichen, wobei sie auch bereit sind, dafür zu bezahlen. Sie legen nicht selbst Hand an, da sie in der gleichen Zeit, die sie investieren müssten um das Bild aufzuhängen, so viel Geld verdienen, dass sie das ganze Haus tapezieren lassen könnten und es deshalb für sie gar nicht in Frage kommt,selbst ans Werk zu gehen.
Es verbietet sich aus wirtschaftlichen Gründen geradezu von selbst und käme einer Fehlinvestition gleich, deswegen sind ihnen Hammer und Nägel auch völlig fremd.

Allen diesen oder sonstigen Gruppen ist jedoch eines gemeinsam, egal aus welcher Gesellschaftsschicht sie kommen oder in welcher sie leben: Sollte zwischenzeitlich ein Freund anrufen oder der Nachbar kurz eine Frage an der Haustür haben, kann es bis zum Baubeginn auch später Abend werden und der Heimwerker findet sich beim Grillen wieder und stellt am Abend auf dem Weg in das Schlafzimmer fest, als er an seiner Baustelle vorbeikommt, dass er noch irgendetwas erledigen wollte.

Sie hingegen, bei gleicher Aufgabenstellung und dem Umstand, dass sie ihn schon dreimal gebeten hat, über mehrere Wochen verteilt, dieses Bild aufzuhängen, steht eventuell 12 Stunden vor der Entbindung, nimmt einen Nagel und schlägt ihn in die Wand, irgendwie passt er schon da rein. Sollte der Putz abbröckeln kein Problem, schliesslich hängt das Bild davor. Falls es sich wiederum um ein Mauerwerk oder eine ihr sonstig fremd erscheinende Oberfläche handelt, wird ebenfalls nicht lange gefackelt, irgendwie wird halt der Stahlnagel rein geprügelt.

Für das Werkzeug öffnet sie eine Küchenschublade, und die Nägel sind auch gleich zur Hand. Eine Wasserwage bracht es gar nicht, denn im Gegensatz zum Mann hat die Frau beim Aufhängen von Bildern keine Augenprobleme. Erledigt!!!

Ein Mann, der dieses Endresultat schliesslich begutachtet, ist fassungslos über so viel Ignoranz und Inkompetenz. Er liest ihr ordentlich die Leviten, schliesslich hätte wer weiss was passieren können, wenn man so unprofessionell arbeitet.

Sicherheitshalber hängt er das Bild wieder ab, kontrolliert noch einmal alles mit dem Metalldetektor auf irgendwelche unbekannte Leitungen, hängt dann das Bild wieder auf, überprüft es mit der Wasserwage und klopft sich auf die Schulter mit dem Satz, den man auch bis in die letzte Ecke des Hauses hört, damit sie weiss wo ihr Platz ist: „So jetzt hängt es gerade!“

Dein Günter
Gesellschaft

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